Mentalitäter

Mensch war das ein Aufschrei, vor ein paar Wochen, vielleicht erinnert sich die oder der Eine noch daran? Anfang April ging die Meldung durch die Medien, dass die Tübinger Biotechfirma CureVac an einem Impfstoff gegen den Corona-Virus forscht, der dann vielleicht sogar schon im Herbst zur Verfügung stehen könnte. Ein virales Erdbeben erschütterte Deutschland, als Trump, seines Zeichens Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (und menschgewordener Beweis dafür, dass ebendieser vom Affen abstammt), uns diesen Impfstoff doch prompt vor der Nase wegzuschnappen gedachte. Und wie groß war Freude und Erleichterung, als Dietmar Hopp, Mehrheitseigner an CureVac, sein Veto einlegte. Ausgerechnet Dietmar Hopp, Reizfigur und Feindbild Nummer Eins des Deutschen Fußballs, wurde plötzlich über Nacht zum Nationalhelden, der dem bösen Ami die Stirn bietet. Wie schnell sich die Zeiten doch ändern...

 

Einen knappen Monat später streitet das Land, und wieder ist der Impfstoff das Thema. Nein, es gibt noch keinen Impfstoff, aber dafür wird schon heftig gegen eine (angeblich schon im Hinterzimmer beschlossene) Impfpflicht protestiert. Es ist schon arg skurril, wenn Leute öffentlich sagen, sie verweigern eine Impfung, für die es noch überhaupt keinen Impfstoff gibt, und stacheln damit auch noch andere Menschen auf. Das tut der momentanen Stimmung überhaupt nicht gut. Ich weiß es natürlich nicht, aber ich glaube auch nicht, dass es eine Impfpflicht geben wird. Es kann und darf nur freiwillig sein. Sollte es aber irgendwann einen Impfstoff geben, dann bekommt Donald den nicht, da sind wir uns einig, oder? Außer, der Ami findet den früher und rückt ihn nicht raus; dann empören wir uns wieder! So sind die Bildzeitung-Mentalitäter eben...

 

Nur, um diesen Gedanken einfach mal weiterzuspinnen: Was wäre, wenn es irgendwann mal einen Impfstoff gäbe? Allerdings gäbe es, so wie es das Volk will, keine Verpflichtung, sich impfen zu lassen. Dann aber kommt, zum Beispiel, Spanien (es könnte auch jedes andere Land sein) und besteht auf einen Nachweis, dass man geimpft ist. Das ist gar nicht so abwegig, für viele afrikanische Länder braucht man ja eine Malaria-Impfung, bevor man dort hinfliegen kann. Spanien sagt also, bevor es zum Ballermann geht, bitte erstmal den Nachweis, oder ihr kommt halt 14 Tage lang in Quarantäne. Wie viele Impfgegner lassen sich dann also doch spritzen? Wie viele bleiben konsequent und machen Urlaub auf Balkonien? Zuhause schmeckt das Schnitzel ja fast genauso gut wie auf Malle, nicht wahr?! Oder man entscheidet sich vielleicht ganz spontan dazu, Syrien für sich als Reiseziel zu entdecken. Bevor man dort hinfliegt, sollte man sich zwar gegen Tetanus, Diphtherie, Hepatitis A, etc. impfen lassen, aber eben nicht gegen das Corona-Virus! Und wenn man es schafft, wieder nach Hause zu kommen (und sei es, über Umwege, mit dem Schlauchboot), dann kann man immerhin von einem Bombenurlaub berichten...

 

Aber das ist ja alles rein hypothetisch. Ein Blick auf das Wetter der vergangenen Wochen zeigt ja auch, wie oft sich so ein Wetterfähnchen durchaus drehen kann..!


© 13.05.2020