Unten am Rhein

Ich sitze den ganzen Tag mit dem Major Tom unten am Rhein, auf der Bank etwas Abseits vom Trubel der Rhein-Galerie. Von dort aus hat man einen guten Blick zur Brücke hin, wo er immer noch in seiner kleinen Bude aus Pappkartons und Einkaufswägen haust. Die ausgemusterten Tannenbäume vom letzten Weihnachtsmarkt sind, wie jedes Jahr, in Wällen aufgeschichtet, Wind- und Sichtschutz. Der Pole hatte sich vor Monaten aus dem Staub gemacht und wohnt jetzt von Amts wegen in der Bayreuther, berichtet Tom mit Gleichgültigkeit in der Stimme. Jetzt ist er der letzte Verbleibende hier, der die Stellung hält. Im Sommer kommen vielleicht wieder welche, aber jetzt im Winter haben die ihren Arsch lieber im Trocknen. Ihm selbst liegt die Anbiederei nicht, bemerkt er mehrmals. Wir trinken einige Bier; ich habe drei Sixpack mitgebracht, und eine Schachtel Luckies. Als es gegen Abend anfängt zu regnen, mache ich mich wieder vom Acker, lasse Bier und Kippen beim Major. Der hält ja hier auch die Stellung.


© 21.01.2018