Tequila Sunset

"Wir müssen sowas öfter machen," verabschiedeten wir uns, "und nicht erst wieder in einem Jahr." Das war im Jänner. Der Vorsatz war gefasst, war gut, war auch wirklich ehrlich gemeint, und doch gingen Wochen und Monate ins Land. Tequila killen wollten wir, war unser Plan, und reden. Reden, einfach nur reden, und zuhören. Wahrscheinlich sind es aber die Träume, die wir dabei spinnen und am Leben halten wollen. Träume, von denen wir selbst wissen, dass sie sich nie erfüllen werden. Aber: träumen darf man, und wenn wir ehrlich sind, dann liegt es nur an uns selbst ob wir sie zerplatzen lassen, oder ob wir es endlich schaffen uns selbst am Kragen zu packen und unsere faulen Ärsche zu bewegen.

 

Ich muss zugeben, es lag tatsächlich an mir, dass ein Drittel vom Jahr verstreichen musste. Es ärgert mich selbst, wir haben keine Zeit zu verschenken. Doch wir haben es geschafft, zumindest was den Tequila angeht. Ein halbes Duzend für jeden von uns, dazu eben soviel Stout, und zwischendrin Geschichten, mit glänzenden Augen erzählt und gehört. Nur zu gerne überlasse ich Ron das Reden, höre lieber zu. Ich, der Lehrjunge, er der Lehrmeister. Ich kenne meinen Platz. Die Geschichten könnten könnten Buchseiten füllen, sie sollten Buchseiten füllen. Es ist nun mal ihre Bestimmung, es ist unsere Bestimmung, es liegt alleine an uns.

 

Die Sonne ging dann schließlich unter, der letzte Cocktail gab mir den Bolzenschuss. Wir müssen sowas öfter machen, und nicht erst wieder in einem Jahr. Wir müssen unsere Träume am Leben erhalten, müssen weiter spinnen und träumen. Wir haben Geschichten, die erzählt werden wollen, sollen, die dazu bestimmt sind, Seiten in Büchern zu füllen. Wir müssen reden, immer weiter reden, solange noch ein Rest in der Flasche ist. Dann geht uns die Sonne wieder auf..!


© 20.05.2017