A Christmas Carol

Weihnachten. Das Fest der Liebe... Die Meldung im Radio passt da irgendwie gar nicht rein. Da wird gesagt, dass es, laut Polizeigewerkschaft, grade zu Weihnachten vermehrt zu häuslicher Gewalt kommt. Zu keiner anderen Zeit flüchten sich mehr Frauen in die Frauenhäuser. 

 

Die Menschen, denen ich in den letzten Tagen begegnet bin, und das sind, bedingt durch meinen Job, wirklich schon einige, wünschen mir ein erholsame Feiertage. Besinnliche Stunden. Ich versuche freundlich zu sein, ein ebenso nettes Wort zurück zu geben. Dabei bin ich eigentlich nur froh, dass dieser ganze vorweihnachtliche Trubel nun endlich vorbei ist. Zehn bis zwölf Stunden täglich, meist im Laufschritt. 

 

Weihnachtsstimmung will mir nicht aufkommen. Alle Jahre wieder bin ich nur platt und ausgepowert, im Hinterkopf lauert schon der Gedanke, dass es am 27. auf Hochtouren weitergeht. Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit zumindest anderen Menschen zu einem besinnlichen Weihnachtsfest verhelfen konnte. Aber dabei kommt mir die Radiomeldung in die Quere.

 

Frohe und besinnliche Weihnachten, das muss doch machbar sein. Man gibt sich alle Mühe, ein tolles Menue auf den Tisch zu bringen, steht dafür stundenlang in der Küche. Die Wohnung vor Tagen schon geputzt, und das Klo sogar nochmal am 24. früh morgens. Unter dem Baum unzählige bunte Päckchen, die auf die Bescherrung warten. Noch mehr Pakete stapeln sich daneben, für die unterm Baum kein Platz mehr war. Aschenbrödel wie immer in Endlosschleife, auf allen dritten Programmen. Ausnahmslos alle warten aufs Christkind. 

 

Humbug! Es wird so sein, wie es immer schon war. Die Geister der Weihnacht sind immer die gleichen. Wie immer nimmt man sich vor, so wie letztes Jahr soll es diesmal nicht sein. Und obwohl es fast noch mehr Geschenke hagelt, wird es wieder lange Gesichter geben. Liebe lässt sich nicht mit Geschenken kaufen, auch nicht am Fest der Liebe. Besinnungslosigkeit statt besinnlicher Weihnacht.

 

Das es ausgerechnet zu Weihnachten zu mehr häuslicher Gewalt kommen soll als zu jeder anderen Zeit im Jahr, das will mir noch immer nicht so recht in den Kopf gehen... Vielleicht liegt es wirklich daran, dass man sich nicht mehr darauf besinnt, wofür Weihnachten eigentlich stehen sollte: be-SINN-liche Weihnachten und das Fest der Liebe! Besinnlichkeit kann man nicht essen. Besinnlichkeit spiegelt sich nicht in geputzten Kloschüsseln wieder, Liebe nicht in geschmückten Weihnachtsbäumen, auch wenn Heintje und Helene im Chor davon singen. Besinnlichkeit und Liebe steckt eben nicht in Geschenken, so teuer sie auch gewesen sein mögen. 

 

Ich wünsche mir Zeit. Zeit ist etwas unheimlich Wertvolles, wenn nicht Zeit sogar unbezahlbar ist. Ich wünsche mir mehr Zeit, die ich mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen kann. Diese Zeit fehlt mir am meisten. Ich wünsche mir auch mehr Zeit für mich selbst, um endlich wieder ein gutes Buch lesen zu können, oder um selbst wieder zu schreiben. Und ich wünsche mir Zeit, um zur Besinnung zu kommen, grade jetzt wird mir das wieder sehr bewusst. 

 

Und Liebe.


© 24.12.2017